Hoch über dem Fluss, jenseits des Arnos, gibt der Piazzale Michelangelo den ersten und besten Überblick über die Stadt. Von dort sind es nur einige Schritte zur romanischen Kirche San Miniato al Monte, die in beherrschender Lage über der Stadt liegt. Mit ihrer für die florentinische Protorenaissance typischen Fassade in Marmorinkrustation ist sie ein wichtiger Meilenstein der kunstgeschichtlichen Entwicklung in Florenz. Von hier ist es nicht allzu weit zur Kirche Santa Croce, schon wieder diesseits des Arno, der Hauptkirche der Franziskaner in Florenz; wiewohl ein wichtiges Werk der Gotik, hat sie doch wieder viele Bezüge zur Renaissance: Sie ist die Begräbniskirche zahlreicher bedeutender Florentiner, so liegen z. B. Michelangelo und Macchiavelli in ihr begraben; daneben sind in einer der Chorkapellen berühmte Fresken von Giotto, des großen Wegbereiters der Renaissance, erhalten. Unmittelbar neben S. Croce liegt in einem Kreuzgang ein erstes Kleinod der Frührenaissance, die Pazzi-Kapelle, entworfen von Brunelleschi.
Mitten im Stadtzentrum liegen direkt nebeneinander das Baptisterium, das zweite Hauptbeispiel der Protorenaissance in Florenz, sowie der Dom S. Maria del Fiore: das Baptisterium aus dem 11. Jahrhundert. Die herrlichen Porta del Parodiso, dem Meisterwerk des Lorenzo Ghiberti aus dem frühen 15. Jahrhundert, und der unvergleichlichen Mosaikschmuck im Innern der Kuppel zeichnen den Dom aus. In diesem zeigt sich die künstlerische Dichte von Florenz in beispielhafter Art: erster Baumeister war noch im 13 Jh. Arnolfo di Cambio, weltberühmt in seiner Zeit, Giotto plante dann im 14. Jh. den 85 m hohen Campanile, in 15. Jh. entwarf Brunelleschi in einem für die damaligen Zeit revolutionären Konzept die Kuppel.
Direkt neben dem Dom warten im Dommuseum erstklassige Kunstwerke der Renaissance, u. a. von Donatello, Luca della Robbia, auf den Besucher; das ergreifendste Werk in diesem Museum ist aber die unvollendete Pieta des greisen Michelangelo.
Am Rande der westlichen Altstadt steht die zweite der großen Bettelordenskirchen in Florenz, S. Maria Novella. In ihr befindet sich eine Fassade mit einem Meisterwerk von Leon Battista Alberti. Es vereinigt Romantik, Gotikund Frührenaissance in einer nahtlosen Synthese. Den Chor der Kirche hat Domenico Ghirlandaio, einer der Lehrer Michelangelos, ausgemalt, im linken Seitenschiff findet man das Dreieinigkeitsfresko von Masaccio, das wegweisend für die Entwicklung der Zentralperspektive in der Malerei geworden ist. Mit seinem beherrschenden Uhrturm war und ist der Palazzo Vecchio politisches Zentrum der Stadt. Von dort aus sind es nur wenige Schritte zu einem der berühmtesten Museen der Welt, den Uffizien. Bereits die Medici nutzten es für ihre private Kunstsammlung. In den Uffizien erwarten den Besucher eine solche Fülle von Gemälden der berühmtesten Künstler, dass allein der Besuch in dieser Gemäldegalerie wochenlang dauern könnte!
Nicht allzu weit weg von den Uffizien liegt der Bargello, im Mittelalter als Palast des „Polizeipräsidenten“ von Florenz erbaut und heute Sitz eines weiteren Hauptmuseums von Florenz, in dem man wichtige Werke von Michelangelo und Donatello bewundern kann. Von hier erreicht man schnell Orsanmichele, Kirche und Kornspeicher in der Vergangenheit mit bedeutenden Statuen u.a. von Donatello an den Außenfronten. Nächster Höhepunkt ist die Kirche S. Lorenzo, erbaut nach einem Entwurf von Brunelleschi. Die Sacrestia Vecchia ist der erste Raum, der in Florenz im neuem Stil der Renaissance erbaut wurde. In der Sacrestia Nuova hat Michelangelo die weltberühmten Mediceergräber geschaffen („Tag“ und „Nacht“, „Abend“ und „Morgendämmerung“). Fast gegenüber von San Lorenzo befindet sich der Palazzo Medici Riccardi mit der „Cappella dei Magi“, die Benozzo Gozzoli im 15. Jh. ausgemalt hat.
Im Norden der Altstadt trifft man auf einen weiteren Höhepunkt der Renaissancekunst: Im Kloster San Marco hat Fra Angelico seinen herrlichen Freskenzyklus gemalt; das Bild der „Verkündigung“ ist in aller Welt bekannt! Ganz in der Nähe von San Marco ist der Piazza SS. Annunziata zu besichtigen. An dessen Längsseite hat Brunelleschi das erste weltliche Gebäude der Renaissance in Florenz errichtet, das Findelhaus „Spedale degli Innocenti“. Noch einige Schritte von der Piazza entfernt, in der Akademie, finden wir den originalen David von Michelangelo, dessen Kopien überall in Florenz präsentiert sind. Über den Ponte Vecchio, die einzige Brücke im zweiten Weltkrieg die nicht zerstört wurde, und seit Jahrhunderten gesäumt ist von Goldschmiedeläden, erreichen wir „Firenze Oltrarno“, die Stadtviertel jenseits des Arno, wo z. T. noch recht ursprünglich das Leben der einfachen Florentiner erlebt werden kann. Die Kirche Santo Spirito ist ein frühes Meisterwerk des Brunelleschi. In der Carmie-Kirche hat der geniale, aber frühverstorbene Masaccio in der Brancacci-Kapelle sein Hauptwerk hinterlassen. Zum Abschluss des Rundganges durch diesen Teil von Florenz warten in der Gemäldesammlung des Palazzo Pitti wieder ungezählte Bilder von Weltgeltung. Ein Gang durch die Boboli-Gärten, von denen man einen Schönen Blick über die Stadt hat, mag den Tag abschließen.
Wer sich ausruhen möchte, von den „Strapazen“ der Kultur, setze sich in eines der vielen Cafes z. B. auf der Piazza della Repubblica, der Mittelpunkt des „neuen“ Florenz ist, und lässt seine Augen wandern... oder geht Einkaufen auf dem Strohmarkt oder in einem der zahllosen Modegeschäfte... oder fährt gegen Abend hinauf nach Fiesole und staunt über den Sonnenuntergang, der die Domkuppel in ein unwirkliches Licht taucht...